Steilküste auf der Greifswalder Oie (Foto: Rainer Höll)
Steilküste auf der Greifswalder Oie (Foto: Rainer Höll)

Leuchtturm Greifswalder Oie

Noch heute fühlt sich Greifswald mit der „gleichnamigen“ Insel irgendwie verbunden, vielleicht ist es auch ein wenig Stolz, dass nicht nur der Bodden zwischen Rügen und dem Festland, sondern auch die Insel am Ausgang des Boddens zur Ostsee nach der Hansestadt benannt wurde. Zumindest zeugt es von einstiger Bedeutung der Stadt. Dabei gibt es eine ganz banale Ursache für den Namen: Die Insel gehörte einst zu Greifswald. Inseln, noch dazu mit Leuchttürmen, faszinieren immer wieder. Dazu kommt die einzigartige Position der Greifswalder Oie vor dem Eingang des Greifswalder Boddens, etwa 12 km von Usedom und 10 km von Rügen entfernt. Die Insel war einst größer, sie versank nach und nach im Meer. Nur einige Fakten aus der wechselvollen Geschichte der Insel, die man am besten bei einem Besuch näher erforscht.

1291 wurde sie von der Stadt Wolgast an die Stadt Greifswald verkauft. Lange Zeit waren Landwirte auf der Insel ansässig, deren fruchtbarer Boden früher nicht bewaldet war. Ende der 1930er Jahre wurde die Insel in die Heeresversuchsanstalt Peenemünde eingegliedert, nach 1945 dann wieder vom Militär in Beschlag genommen. Heute steht die gesamte Insel unter Naturschutz und ist Sitz einer Vogelwarte des Vereins Jordsand e.V, der sich international mit dem Vogelschutz befasst. In begrenztem Umfang wird die Insel von einem Passagierschiff vom Hafen Peenemünde aus angefahren. Der Hafen dient sonst ausschließlich als Nothafen, in ihm ist der Seenotrettungskreuzerkreuzer „Fritz Behrens“ stationiert.

Leuchtturm auf der Greifswalder Oie (Foto: Rainer Höll)Die exponierte Lage der Insel am Kreuzweg verschiedener Schifffahrtslinien und in einem ausgeprägten Flachwassergebiet drängte schon früh auf die Errichtung von Leuchtzeichen. Das erste Leuchtfeuer wurde 1832 errichtet, erwies sich aber bald als unzulänglich. Der Grundstein für die Errichtung des Leuchtturms, wie er im wesentlichen noch heute erhalten ist, wurde durch Friedrich Wilhelm IV. von Preußen am 24.8. 1853 persönlich gelegt, eine Tatsache, die die damalige Bedeutung des Seezeichens deutlich macht. Am 1. Oktober 1855 ging der Leuchtturm in Dauerbetrieb. Die Lampen hatten zunächst Rüböl, seit 1885 Petroleum als Betriebsmittel.

Doch auch dieses erzeugte bald nicht mehr die erforderliche Leuchtweite. Ein Umbau von 1911 bis 1914 brachte umfangreiche Veränderungen. Der Turm wurde erhöht, Leuchte und Linsensystem erneuert, so dass die Nenntragweite auf 24 Seemeilen erweitert wurde. 1938 wurde das Leuchtfeuer auf elektrische Beleuchtung umgestellt. Die Scheinwerferlampe bekam den Strom (110 V, 2000 W) von einem Dieselgenerator.Das Ende des Leuchtturmwärterdaseins kam 1978, als der Turm auf Fernbedienung umgestellt wurde.

Unter der Regie des Wasser- und Schiffahrtsamts Stralsund als Betreiber seit 1990 begann 1994 eine umfassende Rekonstruktion der gesamten Anlage. Das auch heute noch lichtstärkste Leuchtfeuer Mecklenburg-Vorpommerns auf der Greifswalder Oie hat mit seiner Blitzkennung eine Wiederkehr von 3,8 Sekunden und eine Lichtstärke von 1.007.000 Candela, was einer Nenntragweite von 26 Seemeilen (ca. 48 km) entspricht.

An kaum einem anderen technischen Objekt in unserer Zeit arbeiten teilweise fast 150 Jahre alte Bauteile so zuverlässig mit modernster Steuertechnik zusammen wie auf dem Leuchtturm Greifswalder Oie. Der Leuchtturm ist in absehbarer Zeit nicht wegzudenken, sind doch die festen Seezeichen in Küstennähe auch heute noch eine wichtige Orientierungsmöglichkeit auf See, die dem Seemann ohne aufwändige elektronische Hilfsmittel an Bord zur Verfügung stehen.

Text und Foto: Dr. Rainer Höll, nach Informationen des WSA Stralsund
(aus Greifswald KOMPAKT, Ausgabe 7/2005)


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